In memoriam Carsten Peter THIEDE

1952-2004

 

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Source: http://muehlacker.feg.de/Thiedeabend.html

 

Discours prononcé durant l'Assemblée Générale de l'AIP réunie à Ann Arbor le 4 août 2007

Speech delivered during the General Assembly of the AIP gathered in Ann Arbor on August 4th, 2007

par - by: Andrea JÖRDENS

 

Carsten Peter Thiede wurde vor allem durch seine Forschungen zum sogenannten "Jesus-Papyrus" bekannt. In Westberlin, wo er am 8. August 1952 geboren war, studierte er Vergleichende Literaturwissenschaften und Geschichte, Anglistik und Mittellatein. Bei dem folgenden Studienaufenthalt in Oxford wurde sein Interesse für neutestamentliche Papyri geweckt. Der Wechsel nach England sollte noch in anderer Weise sein Leben prägen, heiratete er doch dort und trat der Anglikanischen Kirche bei, der er zeitweilig auch als Lektor diente. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er in Paderborn als Laienseelsorger, später auch erster deutscher Militärkaplan der britischen Truppen tätig. 1993 bis 1998 leitete er das dortige Institut für Wissenschaftliche Grundlagenforschung, das als private Einrichtung inzwischen wieder aufgelöst wurde.

Thiede zeichnete sich zeitlebens durch eine ungewöhnliche Begeisterungsfähigkeit aus, die sich in Vorträgen ebenso wie in zahlreichen Veröffentlichungen niederschlug. Lehraufträge wurden ihm in Genf, an der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva und besonders an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule in Basel zuteil, in deren Auftrag er zugleich Ausgrabungen bei Jerusalem durchführte. Thiedes Hauptanliegen war dabei stets die Glaubwürdigkeit der Bibel und insbesondere der Evangelien. Internationales Aufsehen erregte er zuletzt durch seine Neudatierung des im Magdalen College aufbewahrten P64 mit Teilen des Matthäusevangeliums, die er entgegen der herrschenden Meinung schon vor dem Jahr 70 n.Chr. und damit in der "Zeit der Augenzeugen" entstanden sah. Bereits zu Beginn der 1980er Jahre hatte er sich in ähnlicher Weise für Fragmente des Markusevangeliums aus Qumran eingesetzt. Die Fachwissenschaft stand seinen vehement vertretenen Thesen allerdings stets sehr reserviert gegenüber. Mit seinem frühen Tod fand die Diskussion ein unerwartetes Ende. Am 14. Dezember 2004 ist Carsten Peter Thiede im Alter von nur 52 Jahren überraschend verstorben.

 

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