In memoriam Erich LÜDDECKENS

1913-2004

 

Photo 150 dpi

Source: H.-J. THISSEN & K.-Th. ZAUZICH (Hgg.), Grammata Demotika. Festschrift für Erich Lüddeckens zum 15. Juni 1983 (Würzburg, 1984) front.

 

Discours prononcé durant l'Assemblée Générale de l'AIP réunie à Ann Arbor le 4 août 2007

Speech delivered during the General Assembly of the AIP gathered in Ann Arbor on August 4th, 2007

par - by: Andrea JÖRDENS

 

Wenige Tage nach Vollendung seines 91. Lebensjahres verstarb am 1. Juli 2004 der Nestor der deutschen Demotistik Erich Lüddeckens. Am 15. Juni 1913 in Hirschberg, dem heutigen Jelenia Góra, geboren, studierte der Pfarrerssohn nach seinem Abitur in Berlin ebendort und in München Ägyptologie, Alte Geschichte, Hebraistik, Klassische Philologie und Archäologie. Seit 1935 war er Mitarbeiter seines Lehrers Hermann Grapow am Ägyptischen Wörterbuch bei der Berliner Akademie der Wissenschaften. 1939 wurde er mit "Untersuchungen über religiösen Gehalt, Sprache und Form der ägyptischen Totenklagen" promoviert, die 1943 in Druck erschienen. Seine vielfältigen Sprachkenntnisse stellte Lüddeckens während des Krieges dem nationalsozialistischen Regime zur Verfügung; an seiner mangelnden Fähigkeit zu entschlossenerem Widerstand soll er bis zuletzt gelitten haben. Nach dem Krieg nahm er ein Theologiestudium auf und war kurzzeitig auch als Pfarrer tätig. Bereits 1950 konnte Lüddeckens jedoch an die neugegründete Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz wechseln, wo er unter der Leitung Wolja Erichsens am Demotischen Namenbuch mitarbeitete. Seitdem bildete die Demotistik sein Hauptarbeitsgebiet; seine 1953 in Mainz eingereichte Habilitationsschrift über "Ägyptische Eheverträge" gilt noch heute als Standardwerk.

1964 nahm Lüddeckens den Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Ägyptologie an der Universität Würzburg an. Es war nach dem Tod von Wilhelm Spiegelberg (1930) der erste ägyptologische Lehrstuhl in Deutschland, dessen Inhaber einen Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Demotistik hatte. Weitere Schwerpunkte bildeten das Koptische sowie die ägyptische Namenforschung. In der Lehre vertrat Lüddeckens das Fach allerdings in einer schon damals selten gewordenen Breite. Seine Studenten und späteren Mitarbeiter bezog er schon früh in seine Arbeit am Demotischen Namenbuch ein, dem er weiterhin einen großen Teil seiner Arbeitskraft widmete. Auch wenn dessen ursprünglich großzügigere Konzeption nicht zu verwirklichen war, hat ihn doch die Fertigstellung des ersten Bandes im Jahre 1999 mit großer Freude erfüllt.

Mit seinen Schülern Heinz-Josef Thissen und Karl-Theodor Zauzich rief Lüddeckens 1971 die Enchoria ins Leben, die als Spezialzeitschrift für die spätesten Sprachstufen des Ägyptischen dieser Forschungsrichtung wichtige Impulse gab. Von Anfang an wirkte er zudem an dem "Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland" mit; vier Bände der Unterreihe XIX "Ägyptische Handschriften" wurden zwischen 1971 und 1994 unter seiner Ägide publiziert. Die zu seinem 70. Geburtstag überreichte Festschrift vereinte Beiträge fast aller damals tätigen Spezialisten für demotische Studien. Nach der 1981 erfolgten Emeritierung widmete sich Lüddeckens vor allem der Edition der Hawara Papyri, die er zu seinem 85. Geburtstag 1998 endlich in den Händen halten konnte.

Erich Lüddeckens' letzte Lebensjahre wurden durch mehrere Schlaganfälle getrübt, doch trug er sein Schicksal mit großer Disziplin. Seinen 90. Geburtstag konnte er noch feierlich im Kreise seiner Schüler begehen. Sie rühmen ihn als Lehrer von unerbittlicher Gründlichkeit und Strenge, die er jedoch durch seinen trockenen Berliner Humor erträglich zu machen verstand. In Forschung und Lehre setzte er die Tradition der "école de Berlin" und speziell seines Lehrers Hermann Grapow fort. Lüddeckens war einer der letzten Vertreter dieser für die internationale Ägyptologie so prägenden Berliner Schule.

 

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